An Liberator-Bausätzen herrschte in 1:72 damals wie heute kein Mangel. Schon In den Sechzigern war der Bedarf mit einer D-Variante von Revell und einer J-Version von Airfix ausreichend abgedeckt. In den Neunzigern kam dann die Firma Academy dazu und brachte erstmals gleich mehrere Versionen des Bombers auf den Markt. Jetzt hatte man endlich einen zeitgemäßen Ersatz für die doch stark in die Jahre gekommene Konkurrenz. Als absolute Referenzklasse gilt allerdings seit 2007 die B-24 Familie von Hasegawa, auf die auch schon Eduard bei Ihrem Reboot zurückgegriffen hat. Davon unbeeindruckt war der mittlerweile steinalte Airfix-Bausatz weiterhin jahrzehntelang im Handel erhältlich.
2024 hat der Traditionshersteller seinen Vintage-Kit jedoch selbst durch eine B-24H aus moderner Werkzeugform abgelöst und bereits auch schon eine D-Version nachgelegt.
Sind die neuen Airfix-Kits jetzt der “Goldstandard” und stoßen Hasegawa vom Thron? Machen wir einen Vergleich!
Airfix hat den momentan jüngsten B-24 Bausatz auf dem Markt. Die H-Version gibt es schon ein Jahr länger.Die B-24J Liberator “The Dragon and his Tail” von 2009 tritt für Hasegawa an.Der Hauptrumpf mit Seitenleitwerk und Höhenruder. Es kann wie bei Hasegawa nicht angelenkt dargestellt werden.Fast identische Aufteilung beim Japaner. Für mehr Stabilität werden die Tragflächen hier in den Rumpf eingeschoben.Die schmale Tragflächen-Unterseite verrät es: Landeklappen und Querruder gibt es als separate Bauteile.Damit kann Hasegawa nicht dienen. Dafür spart man sich hier den Anbau der unteren Motorgondeln.Die separaten Querruder und die Bugsektion. Während Airfix sie konventionell herstellt……produziert sie Hasegawa als Klarsichtteil.Positiv: Keine der beiden Bausätze sind übertrieben vernietet.Der Hasegawa-Bausatz hat die etwas feineren Gravuren und wirkt insgesamt filigraner.Ein Novum für einen 72´Liberator-Kit: Separate Landeklappen.Die Kühlklappen für die Triebwerke kann man bei Hasegawa nur geschlossen darstellen. Bei Airfix ist das auch geöffnet möglich.Beide Hersteller bieten ausschließlich abgeplattete Reifen an. Nur Airfix hat dazu noch ein unbelastetes Paar für den eingefahrenen Zustand im Fahrwerksschacht.Gewohnt hoher Standard aus Nippon. Bis in kleine Vertiefungen hinein ist alles sauber gefertigt.Die Bugverglasung, wie es sie so nur bei der D-Version gibt. Bei Airfix gibt es einen deutlichen “Höhenunterschied” zwischen Verstrebungen und Glasteilen.Den gibt es so bei Hasegawa nicht. Beide Hersteller haben Ihre speziellen Lösungen in Sachen Klarsichtteile. Die Japaner bei Cockpit und Bug……und Airfix unter anderem beim MG-Stand.Airfix: Die seidenmatten Decals sind sauber gedruckt und von guter Qualität.Dem steht Hasegawa in nichts nach, wie die beeindruckende Nose-Art zeigt.Einfallsreich: Airfix sorgt mit dieser Leiter, dass die Maschine kein Tailsitter wird. Gewichte für den Bug sind somit unnötig.In zwei Varianten wird die Liberator ausgeliefert. Die “Hell´s Belle” in Olive Drab……und die “Lady be Good” ,wie auf dem Deckelbild zu sehen.Bei diesen speziellen Auflagen kann man anders als sonst üblich nur eine Version bauen.
Hier ein Blick auf die restlichen Gießäste:
Fazit
Unentschieden! Airfix bietet unter dem Strich den moderneren Bausatz. Gerade wer auf separate Ruder und geöffnete Klappen wert legt, sollte sich für diesen Kit entscheiden. Das ist heute Standard. Darüber hinaus punktet er mit netten Detaillösungen wie z.Bsp die Anti-Tailsitter-Leiter.
Aber Hasegawa kontert mit besserer Plastikqualität, feineren Gravuren und dem insgesamt filigraneren Erscheinungsbild. Und das, obwohl der Bausatz schon fast zwanzig Jahre alt ist! Das ist hochwertiger Formenbau “made in Japan” wie wir ihn seit Jahren schätzen. Im direkten Vergleich wirkt der Airfix-Kit da etwas grob.
Auf die Abmessungen bin ich auch hier wieder bewusst nicht eingegangen. Große Unterschiede wurden von mir nicht festgestellt. Beide Bausätze sind meiner Meinung nach maßstabsgetreue Nachbildungen.
Es entscheiden also wieder einmal die persönlichen Vorlieben und nicht zuletzt auch der Preis, für welchen Bausatz man sich entscheidet. Einen klaren Sieger gibt es hier nicht!
Mein besonderer Dank geht an Jörg Adamek für die Bereitstellung des Hasegawa-Bausatzes.