
Wer den Roman Project Hail Mary von Andy Weir kennt, kennt auch Rocky – ein freundliches kleines Alien, das auf mehreren Beinen läuft, einen Körper hat, der aussieht wie aus Stein und das eines ganz besonders gut kann: Dinge bauen.
Genau dieses Wesen war mein Vorbild. Mein Roboter Rocky ist ein fünfbeiniger Laufroboter, dessen Beine im Kreis rund um einen runden Körper angeordnet sind – ganz so wie beim Alien aus dem Buch. Und ja: Er läuft wirklich, dreht sich auf der Stelle und kann sogar winken.

Man muss kein bisschen programmieren können, um zu sehen, was an Rocky besonders ist. Schau einfach zu, wie er sich bewegt:
Das Schöne daran: Rocky wirkt lebendig. Er bewegt sich nicht wie eine steife Maschine, sondern weich und organisch – fast so, als hätte er einen eigenen kleinen Charakter.
Hier kommt der Trick, der Rocky so elegant macht – und keine Sorge, dafür braucht man keine Mathematik.
Stell dir vor, du willst deine Hand zu einer Kaffeetasse bewegen. Du denkst nicht darüber nach, um wie viel Grad du jedes einzelne Gelenk – Schulter, Ellenbogen, Handgelenk – beugen musst. Du denkst einfach: „Dort, die Tasse.“ Dein Gehirn erledigt den Rest ganz von selbst.
Genau so funktioniert Rocky. Ich sage ihm nicht für jedes der vielen Gelenke einen Winkel vor – das wäre ein Albtraum. Ich sage ihm nur: „Setz deinen Fuß genau dorthin.“ Den Rest – wie weit sich jedes Gelenk dafür beugen muss – rechnet er sich blitzschnell selbst aus, viele Male pro Sekunde.
Deshalb bleibt ein Fuß genau dort stehen, wo er steht, auch wenn sich der ganze Körper hebt, senkt oder neigt. Die Beine passen sich von alleine an. Genau das lässt Rocky so geschmeidig aussehen.
Das Besondere steckt nicht nur in Rocky selbst, sondern in dem „Gehirn“ dahinter, das ich geschrieben habe. Es ist nämlich nicht fest auf fünf Beine festgelegt.
Man kann damit auch ganz andere Roboter zum Laufen bringen:
Das Gehirn ist sogar so schlau, dass es sich an die Anzahl der Beine anpasst: Ein wackeliger Vierbeiner hebt immer nur ein Bein vorsichtig an, damit er nicht umkippt – während Rocky mit seinen fünf Beinen mutig gleich mehrere Beine zugleich versetzen darf und dadurch flotter läuft. Darum geht es mir bei diesem Projekt: Aus einem einzigen konkreten Roboter ist nach und nach ein kleiner Baukasten für allerlei Laufroboter geworden.
So viel zur Technik im Inneren – aber Rocky soll ja auch aussehen wie sein steinernes Vorbild. Und das war mal wieder echte Handarbeit.
Seine Hülle habe ich komplett von Hand aus XPS-Hartschaumplatten gefertigt. Die Form habe ich mit einem Heißdraht und einem Bastelmesser mühsam herausgearbeitet, Stück für Stück, bis die gesteinsartige Gestalt stimmte. Anschließend habe ich alles mit Styropor-Kleber versiegelt, damit die Oberfläche fest und glatt wird.
Den Abschluss bildete die Bemalung: Mit sechs verschiedenen Farben habe ich die Hülle bemalt und lasiert, damit sie wirklich wie echter, lebendiger Stein wirkt – mit Tiefe, Schattierungen und kleinen Farbverläufen, statt nur eintönig grau. Diese Hülle gibt Rocky seinen Charakter und macht aus der Technik ein kleines Lebewesen.


Wie sein Vorbild soll Rocky mit der Zeit klüger werden. Ich träume davon, dass er irgendwann:
Bis dahin läuft, dreht und winkt Rocky schon heute – ein kleiner, gesteinsgrauer Gruß an das Alien, das ihn inspiriert hat.
Jeanette Müller, Kornwestheim (Juni 2026)