Vintage Kits: Hasegawa´s P-47 Thunderbolt “Razorback” von 1974

Manchmal kommt man zu einem Bausatz wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind. Unser Vorstand brachte eines Tages diesen und zwei andere Bausätze aus dem Nachlass eines verstorbenen Modellbauers zum Stammtisch mit. Damit verbunden war die eindringliche Bitte, sie nicht wieder mitnehmen zu müssen! Und so griff ich mehr aus Höflichkeit als aus wirklichem Interesse zu. Schließlich war der Rumpf schon zusammengebaut, eigentlich ein echtes “No-Go” für mich. Aber dann entdeckte ich die Decal-Option für eine Maschine der Royal Air Force.

Dass die Briten die Razorback-Variante flogen, wusste ich bis dato nicht. Sie war in Ägypten stationiert, trug aber kein Wüsten-Tarnschema. Jetzt war mein Interesse wirklich geweckt!

Aus Alt nach Neu

Was kann man machen, um einen solchen Bausatz aufzuwerten? Die Kanzel lässt sich nicht geöffnet darstellen, also musste ein tiefgezogenes Exemplar der Firma Falcon her. Abgeflachte Reifen zu finden war kein Problem. Auch eine Resin-Luftschraube von Quickboost war schnell aufgetrieben. Aber was mache ich mit den Decals? Alte Abziehbilder von Hasegawa neigen schnell zum Zersplittern. Glücklicherweise hat die Firma Freightdog Models ebenfalls Decals für in Ägypten stationierte RAF-Thunderbolts im Angebot.

Aber auch am Bausatz selbst wurde Hand angelegt. Die Kühlklappen hinter der Triebwerksverkleidung wurden einzeln ausgesägt und leicht abgespreizt wieder angebaut. Dass verleiht dem Modell gleich ein deutlich realistischeres Aussehen. Die Höhenruder wurden ebenfalls herausgetrennt, um sie leicht angelenkt wieder zu befestigen. Die Löcher in den perforierten Blechen des Fahrwerkschachtes waren nur angedeutet. Mit einem Dremel sorgte ich dafür, dass es echte Löcher wurden. Und weil ich mit der tiefgezogenen Kanzel von Falcon dann doch nicht zufrieden war, sägte ich das Originalteil in einer “Alles oder nichts”-Aktion einfach auf und siehe da, sie passte auch im geöffneten Zustand! Im Bausatz ist kein Steuerknüppel enthalten. Diesen habe ich selbst hergestellt und dem Piloten in die Hand geklebt. Die Figur von PJ-Produktions macht sich dafür hervorragend und verdeckt das kaum detaillierte Cockpit.

Das Farbkleid

Lackiert wurde mit Mr-Hobby-Farben. Nachdem die Unterseite fertig war, wurde die Oberseite des Modells schwarz grundiert. Dann sprühte ich dünne weiße und gelbe Linien als Preshading auf. Die Tarnfarbe Sea Grey war als Erstes an der Reihe und wurde stark verdünnt aufgetragen, damit viele der Aufhellungen sichtbar bleiben. Nach den Abkleben wiederholten sich alle Arbeitsschritte. Also wieder mit Schwarz grundieren, Linien ziehen und die zweite Hauptfarbe Olive Drab nur lasierend auftragen. Schließlich ist die Sonne Ägyptens unerbittlich und bleicht so ziemlich alles aus, was sich Ihr längere Zeit aussetzt. Ich habe diese Methode noch nie bei mehrfarbigen Modellen praktiziert, aber es hat gut funktioniert. Die größte Herausforderung: Rechtzeitig aufhören! Hier und da habe ich die Farbe noch etwas angeschliffen. Das gibt dem Modell noch zusätzliche Patina. Dazu trägt auch noch die Künstler-Ölfarbe bei, die ich nach einer Versiegelung mit Klarlack unverdünnt und großzügig aufgetragen habe.

Darf es noch etwas mehr sein?

Jetzt fehlte noch eine kleine Szenerie, um den Bausatz richtig zur Geltung zu bringen. Die Idee dafür lieferte das Bild auf der Bauanleitung. Dort ist ein Willys-Jeep zu sehen, wie er vor der P-47 parkt. Dazu fand ich noch ein Originalfoto von Maschinen derselben Einheit, wie sie am Rande der Rollbahn abgestellt sind. Für den Jeep nahm ich den Bausatz von Airfix. Ihn in RAF-Farben zu lackieren war kein Problem. Die Kokarde für die Motorhaube fand ich in der Grabbelkiste. Der Mechaniker ist von CMK, die mit Seil verbundenen Bremsklötze sind Marke Eigenbau. Ach ja, das Namensschild (typisch für alte Hasegawa-Bausätze) fand natürlich auch Verwendung.

Oldie, but Goldie

Alle Achtung! Die Qualität ist für einen fast fünfzig Jahre alten Kit bemerkenswert. Die Passgenauigkeit ist sehr gut (es musste nur an einer Stelle gespachtelt werden) und die Klarsichtteile sind sauber und frei von Schlieren. Moderne Kits sind detailreicher, aber das kann man mit etwas zusätzlichem Aufwand weitgehend ausgleichen.

Fazit

In Verbindung mit dem Diorama ist ein sehr schöner Bausatz entstanden. Manchmal muss man zu seinem Glück eben doch etwas gezwungen werden.

Marco Doehring, Stuttgart (Juli 2023)