
Die P-47 Thunderbolt (Spitzname: Jug) war neben der P-38 und der P-51 der bekannteste US-Jäger des Zweiten Weltkrieges. Es war das damals größte einmotorige Jagdflugzeug und wurde praktisch um den mächtigen Pratt & Whitney-Doppelsternmotor herumgebaut. Das Triebwerk leistete anfangs 2000 PS. Die P-47 D war mit 12602 Exemplaren die am meisten produzierte Version, anfangs noch mit Schiebehaube (Razorback) und später dann mit Vollsichtkanzel (Bubbletop) ausgestattet. Die hier vorgestellte N-Version war der Schlusspunkt dieser Entwicklung. Mit einem auf 2700 PS gesteigerten Triebwerk und vergrößerten Tragflächen ausgestattet, begann die Produktion im Dezember 1944. Nach dem baldigen Kriegsende wurden die N-Thunderbolts hauptsächlich bei der Nationalgarde eingesetzt, aber auch an Drittländer wie z. Bsp. Nicaragua verkauft.
Das Modell
Die P-47 N kam erst spät zum Einsatz und wurde mit 1816 Maschinen in verhältnismäßig geringen Stückzahlen produziert. Für den Krieg in Europa kam sie nicht mehr rechtzeitig, demzufolge gab es auch nur wenige mit ihr ausgerüstete Staffeln. Die Konsequenz: Eine überschaubare Anzahl an Vorbildern für Modellbauer.





Dennoch wurde die P-47 N im Maßstab 1:48 nicht gerade stiefmütterlich behandelt. Schon ab 1952 gab es ein Modell der Firma Lindberg zu kaufen. Immer wieder im Handel erhältlich sind seit den Neunzigern auch die Bausätze von Revell/Monogram und Academy. Mit beiden Kits lassen sich auch heute noch brauchbare Ergebnisse erzielen.
Nun aber liegt mit dem Exemplar von MiniArt ein Bausatz vor, der wirklich als “State of the Art” bezeichnet werden kann. Hier ist alles anzutreffen, was der anspruchsvolle Modellbauer von einem Bausatz erwartet: Hoher Detaillierungsgrad, feine Gravuren, wahlweise abgeplattete Reifen, separate Ruder und sogar abgespreizte Kühlerklappen. Die Triebwerksverkleidung ist in vier Teile untergliedert. Das macht den Bau etwas kompliziert. Dafür freut sich aber der Diorama-Fan, dem vielleicht eine Szenerie mit Wartungsarbeiten am Triebwerk vorschwebt. Auch bei den makellosen Klarsichtteilen wurden keine Details wie z. Bsp. Nietenstrukturen vergessen. Auffällig sind die vielen Flussmarken im Plastik. Man kann also genau sehen, welchen Weg der noch flüssige Kunststoff seiner Zeit genommen hat.




Die Decals weisen eine unzählige Menge an Stencils auf. Hier wurde wirklich nichts vergessen! Sie werden gerade bei silbernen Maschinen gut zur Geltung kommen. An der schön detaillierten “Nose-Art” für die beiden Versionen zeigt sich die hohe Qualität.

Die Bauanleitung
Sie nennt sich hier General Instruction und ist randvoll mit Bildern und Informationen. Das führt zu einer gewissen Unübersichtlichkeit, besonders in den ersten Bauabschnitten. Dies ist vor allem der hohen Teileanzahl geschuldet. Dafür wird auf der Rückseite eine Farbtafel mit den Nummern von sechs Herstellern angezeigt. Außerdem sind dort die möglichen Außenlasten dargestellt.


Die Vorbilder
Mir liegt hier der Basic Kit vor. Gebaut werden können daher lediglich zwei Versionen:
1.
“CF” 44-87979 “Knocked Up”, 34th Fighter Squadron, 413th Fighter Group, 20th Air Force, Sommer 1945.
2.
“93” 44-88320 “Sack Happy”, 73rd Fighter Squadron, 318th Fighter Group, 20th Air Force, le Shima, Sommer 1945.


Alles perfekt?
Der Bausatz hat also unbestritten seine Qualitäten, aber es gibt auch Schattenseiten. So ist die Nietenstruktur für meinen Geschmack etwas zu intensiv dargestellt, auch wenn ich sonst ein Freund der wohl dosierten Übertreibung bin. In der Nähe einiger Gravur-Linien ist das Plastik bei der Produktion nicht komplett um die Nieten herumgeflossen. Dadurch entsteht eine Art Reisverschlussoptik, die negativ auffällt und mit dem Original nichts mehr zu tun hat! Ich habe zwei Beispiele davon mit Pfeilen auf den Fotos markiert. Nächster Kritikpunkt ist die hohe Anzahl der Teile. Sie ergibt für mich nicht immer Sinn, wie z. Bsp. beim Fahrwerksschacht. Auch hier wäre weniger mehr gewesen. Der Bausatz erscheint insgesamt etwas “overengineered.”




Fazit
MiniArt hat mit der P-47 N und den früheren Versionen eine beeindruckende Thunderbolt-Kollektion geschaffen. Leider wurde an einigen Stellen über das Ziel hinaus geschossen. Wer Photoätzteile verwenden möchte, dem empfehle ich den Advanced Kit. Dort stehen dann auch drei alternative Decalvarianten zur Auswahl.
Übrigens: Wer es etwas exotischer mag, dem sei der Decalsatz von Armycast empfohlen. Dort gibt es Abziehbilder für die Nicaraguan Air Force und die Air National Guard von Pennsylvania.
Marco Doehring, Stuttgart (Februar 2026)